Wenn es ein Thema gibt, das unsere Branche aktuell bewegt und viele Unternehmer aufregt, dann sind es das Arbeitszeitgesetz und die damit verbundene Dokumentation der Arbeitszeiten. Denn schnell wird klar: Die Regelungen sind zu starr und passen nicht mehr zur Lebenswirklichkeit der Menschen – sowohl unserer Gäste als auch vieler unserer Mitarbeiter.

Klar ist: Eine starre Regelung mit einer täglichen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden lässt sich in der Gastronomie nicht umsetzen. Klar kann man, wie Politiker dann so gerne behaupten, das Ende einer Veranstaltung definieren. Aber wollen diese Politiker allen Ernstes einer lustigen und stimmungsvollen Hochzeitsgesellschaft erklären, dass jetzt das definierte Ende der Party ist. Nein, keiner will das. Die wollen feiern – und als gute Gastgeber sind wir und unsere Mitarbeiter natürlich für unsere Gäste da. Das ist Teil unserer Gesellschaft und unserer Kultur.

Klar ist auch: Viele unserer Mitarbeiter wollen arbeiten und sind durchaus in der Lage, kurzfristig und auch einmal länger zu arbeiten. Das gilt gerade für Minijobbler, die sich neben ihrer eigentlichen Arbeit noch etwas dazuverdienen wollen (oder müssen). Die dürfen, wenn sie schon acht Stunden gearbeitet haben, nur noch zwei Stunden in unseren Betrieben weitermachen. Das geht an der Lebenswirklichkeit vorbei, denn diese Leute wollen Geld verdienen, um sich den Lebensstandard leisten zu können, den sie haben wollen. Genau das unterbindet aber die Politik.

Wer immer noch glaubt, dass wir in unserer Branche unsere Mitarbeiter ausbeuten können, hat keine Ahnung vom Arbeitsmarkt und den Schwierigkeiten, überhaupt qualifizierte Mitarbeiter finden zu können. Das Beharren von Arbeitsministerin Nahles auf diesen starren Regelungen kommt – die Umfrageergebnisse der SPD zeigen es deutlich – geradezu politischem Selbstmord gleich. Das könnte man kopfschüttelnd ja noch hinnehmen, wenn es nicht gleichzeitig eine Bevormundung erwachsener Bürger bedeuten würde und die ist inakzeptabel! Denn – die Menschen wollen nicht bevormundet werden, sondern selbst entscheiden, wann, wie lange und wie oft sie arbeiten.

Was wir brauchen ist eine flexiblere Regelung der Arbeitszeiten – keine Verlängerung. Geradezu bezeichnend für die wieder einmal völlig überzogene deutsche Regelungswut ist die Tatsache, dass selbst die EU-Bürokratie – von deren Seite meist wenig Erfreuliches kommt – eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden vorgibt, und der deutsche Gesetzgeber eine wesentliche strengere Regelung eingeführt hat. Ein wöchentliches Zeitkonto von 48 Stunden würde uns die nötige Flexibilität geben, um die Arbeitszeiten unserer Mitarbeiter an die Wünsche unserer Gäste anzupassen.

Her damit!

Allerdings müssen wir aktuell aufpassen, denn: Das Gesetz gilt und wird auch kontrolliert. Inzwischen tauchen die ersten Schlagzeilen auf, die das Gastgewerbe wieder einmal in ein schlechtes Licht rücken, weil Regelungen des Arbeitszeitgesetzes nicht eingehalten werden. Und wenn das Gesetz noch so sehr an der Lebenswirklichkeit und den Anforderungen unserer Gäste vorbeigeht: Wir müssen uns daran halten!

Als Branchenverband werden wir uns weiterhin mit aller Kraft und auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes möglichst schnell praxistauglich geändert werden – im Interesse der Unternehmer, der Mitarbeiter und der Gäste. Aber es ist wie meist wieder einmal ein dickes Brett, das wir bohren müssen.