Unsere Betriebe ersticken in der Bürokratie. Dokumentationen der Arbeitszeit, Listen der Allergene in den Speisen, Aufzeichnungen über Belehrungen, Kontrollen und ärztliche Untersuchungen sowie mühsam erstellte Gefährdungsbeurteilungen füllen nicht nur Ordner, sondern in den meisten Fällen ganze Schränke. Von den Anforderungen einer ordnungsgemäßen Buchführung und deren Aufbewahrungsfristen ganz zu schweigen. Einige Kollegen haben schon darüber nachgedacht, Gästezimmer aufzugeben, um der Papierflut Herr zu werden und Aufbewahrungsmöglichkeiten zu schaffen.

Immerhin: Die Politik scheint das Problem erkannt zu haben und kämpft seit Jahren um eine Bürokratieentlastung. Aber fast scheint es wie bei der Hydra zu sein, jener vielköpfigen Schlange der antiken Sagenwelt, der gleich mehrere neue Köpfe wuchsen, wenn man einen abgeschlagen hatte. Jetzt hat die Politik in Berlin das 2. Bürokratieentlastungsgesetz beschlossen, das noch die Zustimmung des Bundesrates benötigt. Allein, dass es ein 2. Bürokratieentlastungsgesetz geben muss, belegt den Irrwitz der Situation. Wir wollen für unsere Gäste da sein, statt Formulare ausfüllen. Die immer größer werdende Verordnungslawine zieht immer mehr Betrieben den Boden unter den Füßen weg.

Sicherlich sind die geplanten Entlastungen ein Schritt in die richtige Richtung. Dem müssen aber ganz schnell noch weitere folgen.

Es stellt sich dabei auch die Frage, warum keiner den Mut zu einer großen Lösung hat, zu einer Regelung, die die Unternehmer mal wirklich und konsequent entlastet. Stattdessen denken sich doch die ersten schon wieder neue Hürden aus, damit wir Unternehmer ja nicht zu dem kommen, was wir eigentlich tun sollten. Die Besteuerung der Parkplätze und die neue europäische Reiserichtlinie sind da nur zwei kleine Beispiele.

Mein Vorschlag: Lasst es uns einfach machen. Wir brauchen Autobahnen mit Leitplanken links und rechts, aber keine Engstellen, bei denen unser Wirken mit Papier und Verordnungen eingeschränkt wird. Wer über die Leitplanken hinausschießt, gehört bestraft. Wer innerhalb der Leitplanken bleibt, hat freie Fahrt. Dann können wir uns auch nachhaltig positiv entwickeln.

Wir werden nicht müde, unsere Forderungen immer wieder im Interesse der gesamten Branche an die Politik heranzutragen. Dass wir dabei gehört werden, wird in Einzelfällen immer wieder deutlich. So hat beispielsweise Josef Pschierer, Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium, in einem Interview mit dpa gefordert, die Arbeitszeitregelungen zu flexibilisieren – von der täglichen zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Immerhin einer, der mal zugehört und unsere stichhaltigen Argumente aufgenommen hat. Wir werden weiter kämpfen.